Es läuft immer nur Mist im Fernsehen. Und jetzt endlich wurde der Schuldige gefunden: Die Italiener.
Im italienischen Fernsehen fand vor dreißig Jahren eine Revolution in Trivialität statt. Dass dies unter anderem dazu führte, dass der Besitzer der größten Fernsehsender des Landes – trotz einiger Kleinigkeiten wie Kontakten zur Mafia und diverser Wirtschaftsverbrechen – wieder und wieder Premierminister wurde, dürfte kein Zufall sein. Sein Fundament: gezielte Verblödung und eine Unmenge halbnackter Moderatorinnen und Tänzerinnen. Der Mann begriff sehr schnell, was sein Publikum wollte.
Als der Regisseur Erik Gandini einigen Freunden in Skandinavien die Vernetzungen zwischen Politik und Medien in seiner Heimat zu erklären versuchte, stellte er fest, wie schwierig das selbst für ihn war. Seine Dokumentation „Videocracy“ stellt nun den alten, immer geilen Machthaber unmerklich ins Zentrum seiner Geschichte über die Entwicklung des italienischen Fernsehens.
Aber sage jetzt keiner, so schlimm sei es hier noch nicht. Denn irgendwie begann alles auch bei uns mit „Tutti Frutti“ – um seitdem die glitschige Rutsche in den Abgrund der Niveaulosigkeit zu nehmen. Das erstaunlichste ist, wie schnell sich die Zuschauer der Welt darauf eingelassen haben und wie wenig es einen heutzutage noch stört. „Videocracy“ ist dabei kein Aufruf zum Widerstand, es ist nur ein kleiner, erhellender Film über unsere absurde Realität – und das, was uns dafür vorgemacht wird.