Monkey Business Illusion. Ich muss gestehen, ich dachte zunächst, es geht um die Aufdeckung des neuesten Geschäftstricks. Aber nein. Es geht um unsere Wahrnehmung beziehungsweise eigentlich um unsere Vorstellung, wie großartig unsere Wahrnehmung funktioniert. Um uns dann zu zeigen, dass die gar nicht so großartig funktioniert.
Das Experiment mit dem unsichtbaren Gorilla
Die Aufgabenstellung in der Monkey Business Illusion hört sich einfach an. Man soll sich ein Video angucken, in dem je drei Spieler in schwarzen und drei Spieler in weißen T-Shirts Ball spielen. Dabei soll man zählen, wie häufig die Spieler in den weißen Trikots einander den Ball zupassen. Absolut machbar. Kein Problem, denkt man sich. Aber habt ihr den Gorilla gesehen, der ins Bild läuft, brusttrommelnd in die Kamera guckt und dann wieder verschwindet?
Ich schon. Und da offenbar die Hälfte der Probanden den Affen nicht sehen – daher denn auch Monkey Business Illusion –, fühlte ich mich schon wie die Gewinnerin. Meine Wahrnehmung ist eben doch nicht so schlecht. Aber dann gehen die Fragen im Video weiter. Ob ich gesehen habe, dass eine Spielerin in schwarzem T-Shirt das Bild verlassen hat, als der Gorilla dazu kam? Nicht direkt. Und ob ich bemerkt habe, dass sich die Farbe des Vorhangs im Hintergrund verändert hat? Ich war wohl doch zu beschäftigt, vor lauter Gorilla mit dem Zählen nicht durcheinander zu kommen.
Harvardianer als Des-Illusionisten
Erdacht haben sich die Monkey Business Illusion Christopher Chabris und Daniel Simons, ihres Zeichen beide Dozenten an prestigeträchtigen amerikanischen Universitäten. 1997 trafen sie sich an der ebenfalls prestigeträchtigen Harvard Universität, wo sie das Gorilla-Experiment erstmalig durchgeführt haben. Beide verfolgen sowohl eigene Forschungsinteressen, arbeiten aber auch weiterhin zusammen an der Aufdeckung von Wahrnehmungsillusionen. Mittlerweile gibt es zu den Ergebnissen Bücher, Blogs und Videos.
Übrigens haben Chabris und Simons für ihre Monkey Business Illusion einen der großartigsten Preise überhaupt bekommen – den Ig Nobel Preis in Psychologie, der dafür verliehen wird, die Menschen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken zu bringen. Grandios.