Musik ohne Musikvideos ist heute praktisch undenkbar. Und wenn man auf die Geschichte des Musikvideos zurückblickt, finden sich genügend großartige Gründe dafür. Allerdings kann ich mich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass mit der Mainstream-Musik auch die Mainstream-Videos immer austauschbarer werden. Und eine der Konstanten dabei sind Special Effects. Gleich ob es zu Künstler und Song passt oder nicht, es müssen Special Effects her. Dass das nicht so sein muss, zeigt das neue Video zu Tim Halperins Song „She Runs“.
Ein Musikvideo für $500, bitte
So lautete die Anfrage an die Macher dieses Videos. Und dank viel Enthusiasmus und Einsatzbereitschaft hat es auch geklappt. Herausgekommen ist nicht nur ein erstaunlich günstiges, sondern vor allem auch großartig kreatives Video, das die Kernaussage des Songs perfekt visuell umsetzt. Es geht eben doch noch anders.
„She Runs“ handelt von der Liebe zu Karen und deren Unfähigkeit, nicht vor ihrem eigenen Leben und den Männern darin fortzulaufen. Passend dazu ist das Video inszeniert als Schultheaterstück, in dem Tim Halperin als Erzähler auftritt und das dann Karens Geschichte folgt, während sie von Szene zu Szene rennt. Und das Beeindruckende? „She Runs“ ist in einer einzigen Kamerafahrt gefilmt. Damit das funktioniert bei all den Set-Wechseln, waren mehr als 30 schnelle, einsatzbereite Leute und 13 Takes nötig. Das Ergebnis ist auf jeden Fall sehenswert.
Singer/Songwriter Tim Halperin
Das tollste Video bringt aber ja nichts ohne super Song. Und für den ist im Falle von „She Runs“ Singer/Songwriter Tim Halperin verantwortlich. Aufgewachsen in Omaha, Nebraska, hat Halperin mit sechs Jahren angefangen Klavier zu spielen. Als Teenager hat er in verschiedenen Bands gespielt und tatsächlich selbst auch in Schulproduktionen mitgewirkt. Das Konzept hinter dem „She Runs“-Video passt immer besser. Nach der Schule entschloss sich Halperin, es als Singer/Songwriter zu versuchen und ist damit ganz erfolgreich, indem er nicht nur musikalische Qualität bringt, sondern auch die Möglichkeiten des Internets zur Selbstvermarktung und zum Kontakt mit den Fans voll ausschöpft. Und ich muss sagen, dass es doch – unabhänbgig vom eigenen Musikgeschmack – super ist zu sehen, dass der Zugang zur Musikbranche auch noch jenseits der Riesenlabels und ihrer Marketingmaschinerie funktioniert.