Mal wieder ein junger Mann mit ausgesprochenem Retrogeschmack – und das nicht nur was Kleidung angeht, sondern auch und vor allem bei Musik. Wobei dieses „Retro“ natürlich ein albernes Label ist, das viel zu schnell auf Stile geklebt wird, die sich deutlicher auf die Vergangenheit beziehen als andere. Aber bei Mr. Hawthorne geht das doch schon klar. Er mag es so. Und kann auch gar nicht anders:
Aufgewachsen in Detroit, einem der Soulzentren der 60er und 70er Jahre, ist es ja auch nicht sonderlich verwunderlich, dass er die Musik von Isaac Hayes, Leroy Hutson, und Barry White als Einfluss nennt. Immerhin ist er damit aufgewachsen. Aber diese Liste an Vorbildern ist natürlich endlos – für ihn wären als besonders wichtig unbedingt noch Smokey Robinson, Curtis Mayfield, und Produktionstrio Lamont Dozier, Brian Holland und Eddie Holland Jr. zu nennen. Nicht die schlechteste Basis.
Doch Mr. Hawthorne hat nicht nur einen formidablen Geschmack bei Sound und Ästhetik – er ist darüber hinaus auch noch äußerst talentiert und mit einigem Tatendrang gesegnet. Denn er ist nicht nur Sänger – sondern nebenbei auch Produzent, Songschreiber, Arrangeur, sein eigener Studiotechniker, manchmal DJ und sogar mal Rapper. Ach ja, und ganz nebenbei spielt er auch alle Instrumente auf seinen Liedern. Zu guter Letzt scheint er dann auch noch eine Ausgeburt an Positivität zu sein, die den reinen Sonnenschein im Herzen trägt und für uns alle strahlt und scheint.
Stone Throw Labelchef Peanut Butter Wolf war jedenfalls hin und weg von Mayers Charisma – aber erst nachdem man ihm glaubhaft versichern konnte, dass diese Songs keine gerade ausgegrabenen Klassiker waren, sondern nagelneu und allein aus der Feder von Mr. Hawthorne. Das Album „A Strange Arrangement“ ist gänzlich sein Werk. Dabei hat der Musiker nie eine Ausbildung genossen – und übrigens auch nie vorgehabt, als Sänger oder Musiker Karriere zu machen. Es könnte schwer werden bei diesem Plan zu bleiben. Immerhin zählen auch Gilles Peterson und Ex-Amy Winehouse Produzent Mark Ronson zu seinen Fans. Auch keine schlechte Basis. Und so kommt es auch, dass er für Snoop Doggs „Gangsta Luv“ Remixe anfertigt. Wenn er also nicht so zauberhaft und vollkommen „Retro“ wäre, müsste man ihm eine große Karriere prognostizieren. Aber vielleicht bleibt es ja bei einer kleinen und beständigen. Das würde ihm wohl ganz ausreichen.