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Pure Satire bei “Die Geschichte von Java”

Das Leben einer offensichtlich ziemlich spießbürgerlichen 3-Personen Familie beschreibt „Die Geschichte von Java“ und hier geht es keineswegs um die indonesische Insel und einen Teil ihrer Bewohner. Im Vordergrund des humoristisch satirischen Films steht der Konkurrenzkampf der beiden Programmiersprachen Java und NET, die eine ein Linux-Produkt, die andere aus dem Hause Microsoft.

Und hier scheint es sich eben doch um mehr als das zu handeln, was normale Computernutzer in diesen Sprachen sehen – nicht ausschließlich zur Befehlsangabe an einen Rechner sondern eine Lebensauffassung geht mit dem Gebrauch einher. Der Vater des kleinen Jungen im Film jedenfalls bekennt sich eindeutig dazu, ein Microsoft Anhänger zu sein und sein Vorbildcharakter überzieht den Stellenwert dieser Aufgabe damit, dass vorgelesene Computerbefehle selbst die Gute Nacht Geschichte des Kleinen ersetzen.
Aber wie es Kindern zu Eigen ist, stellt auch der Junge in „Die Geschichte von Java“ schnell unangenehme Fragen nach der Bedeutung der Programmiersprache für unsere Welt. Und wie immer in solchen Momenten, wenn Kinder unangenehme oder existenzielle Fragen stellen, verstummt der Erwachsene und die Antwort bleibt aus. Wie unbefriedigend auch hier für den wissensdurstigen Nachwuchs, der doch merkt, dass er die falschen Fragen gestellt hat, deren Antworten ihm sein Vater niemals freiwillig geben wird. Da gilt es, allein seine Erfahrungen zu machen.
Herrlich überzogen ist schon der Trailer zu diesem Film, der die Grenzen zwischen den Generationen so genau zu benennen weiß. Da wird das heimliche Herumprobieren mit der verbotenen Sprache am Computer offensichtlich stärker geahndet, als der Blick in ein paar Online-.Pornos und das Sich-Sperren der Eltern gegen die Interessen des Sohnes löst eine wahre Familienkrise aus.
Hier ist es nicht etwa die Homosexualität, die der erwachsene Sohn den Eltern bei der Familienfeier gesteht, sondern allein die Nutzung der verbotenen Sprache. Hat das gemeinsame Leben schon längst unsichtbare Risse, zerbricht es nun völlig an diesem Geständnis und wirft den Vater so aus der Bahn, dass er vor Empörung einem Herzanfall erliegt.
Der Filius bereut am väterlichen Grab seine Uneinsichtigkeit, doch das währt nur wenige Sekunden: Ein hübsches Mädchen spendet ihm Trost und erklärt sogleich ihre computersprachlichen Präferenzen. Die sind selbstverständlich deckungsgleich und die beiden verschwinden in Richtung der aufgehenden Sonne. Dies ist nicht nur in alten Italo Western eindrucksvoll und zu Herzen gehend, sondern beendet auch “Die Geschichte von Java” mit einem die Zuschauer tröstenden und augenzwinkernden Aspekt, dass nur die Liebe (und die gleiche Computersprache) am Ende wirklich zählen.
Wer also schräge Situationen liebt, die bei „Die Geschichte von Java“ wunderbar persifliert über die Leinwand flimmern, der sollte sich dieses Werk nicht entgehen lassen und vielleicht im Anschluss auch einmal überprüfen, ob die eigene Überzeugung nun Linux oder doch Microsoft gehört…

Von Leo Bender | 16.07.10 | Computer & Software
 
 
 
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