Als ich das Video über das so genannte Manteltier des Zoos Münster zum ersten Mal sah, habe ich wohl genauso Bauklötze gestaunt wie die Besucher. Fasziniert standen Erwachsene wie auch Kinder vor der großen Glasscheibe des Geheges im Löwenhaus und haben die „felligen“ Tierchen beobachtet. Nach genauerem Hinsehen, das Video hat sehr gute Qualität, erkannte ich aber recht schnell, dass dort etwas nicht stimmen kann.
Wer schon einmal in einem Freizeitpark war, etwa im Phantasialand, und dort die Märchenbahn besucht hat, erkennt sofort das stereotype Bewegungsmuster der Manteltiere und erinnert sich an all die animierten und singenden Märchenfiguren. So jedenfalls erging es mir und ich war fest davon überzeugt, dass dies keine „echten“ Tiere sein konnten. Wie lange die Besucher gebraucht haben um es heraus zu finden weiß ich nicht, aber ich denke mittlerweile hat sich die Aktion schon herum gesprochen: Die Künstlergruppe Neozoon ist für die Manteltiere und diverse andere Pelzaktionen verantwortlich.
Ihr mögt diese Unternehmung nun vielleicht recht amüsant und spaßig finden, zugegeben ich habe zunächst an einen Aprilscherz gedacht, aber Neozoon möchte mit dem Manteltier ernste Themen ansprechen.
Die drei Frauen der Künstlergruppe treiben ihr Unwesen vorwiegend in Berlin und Paris und wollen nicht erkannt werden. Doch zunächst, was bedeutet oder was ist ein Neozoon? Damit bezeichnet man Tierarten, die durch die Einwirkung des Menschen in ein anderes Gebiet gelangt sind und sich dort erfolgreich vermehrt haben. In der Geschichte der Menschheit gibt es dafür zahlreiche Beispiele. Nach Australien wurde beispielsweise eine südamerikanische Kröte gesiedelt, die Zuckerrohrplantagen vor Käfern schützen sollte. Doch die Kröte verspeiste lieber andere Leckerbissen und wurde sogar zu einer Gefahr für die einheimischen Tiere, die ihr Gift nicht vertragen haben. Die Natur hat ihre eigenen Pläne…
Worauf wollen uns die Künstler von Neozoon und das Manteltier, welches erstmals 2008 in Berlin „entdeckt“ wurde also aufmerksam machen? Betrachtet man die affengroßen Tierchen genauer, stellt man fest, dass sie aus echtem Pelz bestehen, genau wie zahlreiche andere Arbeiten wie etwa die Tiersilhouetten von Hirsch, Schaf, Bär oder Luchs. In Berlin findet man diese Pelzsilhouetten an einigen Häuserwänden oder Mauern in der Stadt verteilt. Sie sehen nicht nur durch das Fell, sondern auch durch die Form und Körperhaltung sehr realistisch aus. Dabei wird eines klar, irgendwann einmal steckte tatsächlich Leben in diesen Pelzen.
Zum Einen geht es sicherlich um die Problematik des Stellenwertes, welches das Tier in unserer Gesellschaft hat und zum Anderen auch darum, wie und als was wir Menschen in den Tieren sehen. Am Beispiel Manteltier kann man alleine sehen, dass wir erstaunt alles Fremde begutachten, ohne Scheu zu empfinden, vor allem, wenn es sich in einem Zoo hinter sicheren Gittern befindet.