“Dann will ich husten und will pusten und blas dir dein Haus ein”. Das kündigte der böse Wolf den drei kleinen Schweinchen an, bevor er zwei von ihnen genüsslich verspeiste. Die etwas einfältigen Kreaturen hatten sich ihre Zufluchtsstätten zuvor aus Ginster und Stroh gebaut. Selber schuld möchte man sagen. Aber kann ein selbst extrem kräftiger Luftstoß wirklich ein Haus zum Einsturz bringen, selbst wenn es nur aus getrocknetem Heu besteht? Der britische Erfinder Jem Stansfield, den man zuletzt dabei beobachten konnte, wie er mit einem Staubsauger ein Haus erklomm, hat sich offenbar fest entschlossen, dies heraus zu finden.
In der noch recht jungen BBC Fernsehsendung “Bang Goes The Theory”, wahrscheinlich im Geiste verwandt mit unserer Knoff-Hoff-Show, stellt uns Mr. Stansfield die von ihm erbaute Vortex-Kanone vor. Abgefeuert wird daraus eine clever ersonnene Gasmischung, aus welcher sich sehr druckvolle Ringe wirbelnder Luft bilden, die mit einer Geschwindigkeit von über 250 km/h die meisten von uns von den Füßen holen würden. Im Grunde handelt es sich dabei um ringförmige Wolken, die sich, in Windeseile möchte man sagen, aus kondensierter Feuchtigkeit bilden. Um den Ring sichtbar zu machen musste man das Video mit 1300 Frames in der Sekunde drehen und stark verlangsamen.
Das Ergebnis kann sich jedenfalls sehen lassen. Nachdem Stansfield ein “Haus” aus Stroh und Holz wegpustet, versucht er sich tatsächlich auch an einem Steinhaus. Na gut, im Grunde handelt es sich nur um eine Steinmauer und es fehlt natürlich auch der Mörtel zwischen den Steinen. Aber dennoch – die Mauer beginnt nach dem Beschuss zu bröckeln und fällt zumindest teilweise um. Beeindruckend.
Ich musste bei der Demonstration unwillkürlich an den Film “Minority Report” und an die Szene in der Autofabrik denken, als Tom Cruise mit einer kleineren Ausführung der Vortex-Kanone in Wild West Manier seine Gegner wegbläst. Mit der “AirZooka” wurde die “Waffe” übrigens schon für den Hausgebrauch auf den Markt gebracht. Laut Hersteller ist die kleine Luft Kanone dafür gedacht, Freitags seinen Schreibtisch von unliebsamen Dokumenten zu befreien, Kartenhäuser seiner Familienangehörigen zu zerstören und sich mit – ich zitiere – „Ehre und Präzision gegen Seifenblasenangriffe zur Wehr zu setzen“.
Der praktische Nutzen ist also nur schwer zu leugnen. Böse Wölfe dürften aber schon die Hauptabnehmer der Stansfieldschen Ringschleuder sein, auch wenn es vielleicht noch ein paar Generationen und etliche Gasgemisch Experimente dauern wird, bis man damit ein Haus erlegen kann. Im Augenblick müssen sich die drei kleinen Schweinchen jedenfalls noch keine Sorgen wegen der Vortex-Kanone machen.